Am 18. Juni waren wir mit MACH ICH in Schwedt unterwegs. Nicht auf einer Baustelle, nicht in einer Werkstatt, nicht zwischen Hebebühne, Betonstaub oder Werkzeugkiste. Sondern in der Boxhalle des Uckermärkischen Boxvereins 1948 Schwedt e.V.
Und trotzdem war nach wenigen Minuten klar: Hier wird genauso gemacht.
Keine Show. Kein Gepose. Kein „Ich probier mal bisschen Sport“. Sondern Seilspringen, Schattenboxen, Atem kontrollieren, weitermachen, wenn die Beine schwer werden. Genau da, wo der Kopf anfängt zu verhandeln, haben Maik Schirrmeister und Tommy Leske nicht lockergelassen. Trainer eben. Nicht zum Klatschen da, sondern zum Fordern.
Wo Freizeit nicht nach Ausruhen aussieht
Viele reden davon, dass Jugendliche heute zu wenig durchziehen. In dieser Halle sieht man das Gegenteil.
Hier kommen junge Menschen nach Schule, Ausbildung oder Arbeit nicht her, um sich berieseln zu lassen. Sie kommen, um zu schwitzen. Um besser zu werden. Um zu merken, was der eigene Körper kann und was der Kopf manchmal zu früh aufgeben will.
Der Uckermärkische Boxverein 1948 Schwedt e.V. gehört seit vielen Jahren fest zur Sportlandschaft der Stadt. Die Stadt Schwedt führt den Verein im Bereich Boxen als Landesstützpunkt mit Trainingsstätte in der Sporthalle Kastanienallee. Auch über die Stadt hinaus ist der Verein immer wieder sichtbar. Bei Wettkämpfen, Meisterschaften und Nachwuchsarbeit.
Aber an diesem Trainingstag ging es nicht um Pokale. Es ging um Arbeit. Nur eben ohne Blaumann.
Seil, Schatten, Sack. Und dann nochmal.
Das Training fing nicht gemütlich an. Erwärmung hieß hier nicht: bisschen Arme kreisen und dabei quatschen. Es ging direkt los mit Seilspringen, Bewegung, Rhythmus, Koordination. Danach Schattenboxen. Saubere Technik, Körperspannung, Atmung. Jeder Schlag muss sitzen, auch wenn noch kein Gegner vor dir steht.
Dann wurde es ernst am Boxsack.
20 bis 30 Sekunden Dauerfeuer. Kurze Pause. Wieder ran. Zehnmal hintereinander. Und das in drei Blöcken.
Wer das liest und denkt „klingt machbar“, sollte es ausprobieren. Nach dem dritten Durchgang wird aus Motivation Realität. Nach dem fünften merkst du, ob du nur angefangen hast, oder ob du wirklich durchziehst. Nach dem zehnten weißt du, warum Boxen kein Sport für Ausreden ist.
Maik Schirrmeister und Tommy Leske haben aus der Truppe an diesem Tag konditionell alles rausgeholt, was zum Boxen dazugehört: Kraft, Durchhaltevermögen, saubere Atmung, Konzentration und dieses kleine Stück Sturheit, das man braucht, wenn der Körper eigentlich Pause schreit.
Da wurde nicht sinnlos gebrüllt. Da wurde geführt, korrigiert, gefordert. Immer mit Blick darauf, dass aus Anstrengung etwas wird: Disziplin, Kontrolle, Selbstvertrauen.
Genau das macht diesen Sport so wertvoll. Boxen ist nicht einfach „draufhauen“. Boxen ist zuhören, umsetzen, wiederholen. Boxen ist Respekt vor dem Gegenüber und vor den eigenen Grenzen. Und manchmal auch der Versuch, diese Grenze noch ein kleines Stück weiterzuschieben.
Besonders hängen geblieben ist uns Momo.
Nicht, weil er laut war. Nicht, weil er sich in den Vordergrund gedrängt hat. Sondern weil man gesehen hat, wie viel Arbeit schon in diesem Körper steckt. Wie viel Training, wie viel Wiederholung, wie viel Verzicht wahrscheinlich dazugehört, bis Bewegungen so aussehen, wie sie aussehen sollen.
Bei Momo sieht man: Da macht einer nicht nur mit. Da zieht einer durch.
Und genau das ist der Punkt. Echte Macher laufen nicht erst mit 40 über den Bau, haben drei Jahrzehnte Berufserfahrung und erzählen dann, wie hart früher alles war. Echte Macher gibt es auch mit 18 in der Boxhalle. Mit Bandagen an den Händen, Schweiß auf dem Shirt und diesem Blick, der sagt: Noch eine Runde geht.
Nach dem harten Teil kam nicht einfach Schluss. Cool-down, Stretching, runterkommen. Und dann sogar noch eine Runde Basketball. Klingt erstmal wie ein lockerer Abschluss, ist aber mehr als das.
Dieser Verein gibt Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen Ort, an dem sie sich messen können, ohne sich beweisen zu müssen.
Du siehst jemanden kämpfen. Du siehst jemanden müde werden. Du siehst jemanden trotzdem weitermachen. Und plötzlich ist Teamgeist kein Wort aus einer Broschüre mehr, sondern steht direkt neben dir am Boxsack.
Passt ziemlich gut zu MACH ICH.
Wir sind mit MACH ICH hingefahren, um echte Macher in ihrer Freizeit zu filmen. Und genau das haben wir gefunden.
Denn jemand muss ja.
